Chirurgie


Nierenschale (1)

Zwei "gynäkologische Schalen", um 1960 

 

Eiterbecken (frz. cuvettes à pus), die man seit dem 19. Jh. kannte, waren offenbar nichts anderes als eine Weiterentwicklung der mittelalterlichen Barbierschalen. Meist waren sie nierenförmig (frz. cuvettes réniformes, im Jargon „haricots“). Um 1900 gab es sie in Hartgummi, in Glas, glasiertem Porzellan, Papiermaché, Messing. Am geläufigsten in der Arztpraxis waren Schalen aus weiß emailliertem Eisen, später solche aus inox. Stahlblech.


Neben der Nierenform gab es die Herzform (frz. forme de coeur), die Kleeblattform (frz. forme de trèfle), die Muldenform (frz. forme de terrine) etc.

 

Interessant ist die Feststellung, dass sich kein Chirurg mit einer Schale seiner Erfindung verewigt hat – offenbar wollte niemand, dass sein Name mit Eiter oder Unrat in Verbindung gebracht wurde…

Chirurgie


Nierenschale (2)

Bizarr geformte Schale, um 1940 

Von den klassischen „Nierenschalen“ weicht das hier vorgestellte Modell durch die Abartigkeit seiner Form ab. Hier hatte der Chirurg wahrhaftig die Qual der Wahl.

Die Nierenschale war ursprünglich eine „Abszess-Schale“ gewesen, die unter die Beule gehalten wurde, bevor der Chirurg diese Eiterbeule einschnitt. Siehe dazu die französische Bezeichnung der Schale „cuvette à pus“. Da die Schale an den Körper gedrückt wurde, war es naheliegend, ihr eine Körperform zu geben. Der Körper ist nirgendwo geradlinig, daher keine viereckige Schale. Um die Schalen besonders vielseitig zu gestalten, wurde neben der Nierenform eine bizarre Form entwickelt, die 3 bis 4 verschieden starke Konkavitäten aufwies - wie das hier vorgestellte Exemplar.

Das Fabrikat (Stempelmarke auf der Unterseite) ist mir unbekannt.

Ein Wort zur Emaillierung: schon die alten Ägypter haben das Email gekannt und stellten damit Kunst- und Schmuckgegenstände her. Die Römer und Gallier kannten die Technik, und haben damit ihre Fibeln dekoriert.
Hauptbestandteil der heutigen Emailsorten ist ein leichtflüssiges, bleireiches, durch Zinnoxyd undurchsichtig gemachtes Glas, das entweder als weißes Email benutzt wird, oder durch Metalloxyde wie Kobaltoxyde (blau) oder Kupferoxyd (grün) gefärbt wird.
Beim Emaillieren von Metallen kommt die Masse nicht zum vollständigen Fluß. Vielmehr nimmt sie nur einen teigartigen Zustand an, bei dem sich das pulverförmig auf das Metall aufgetragene Email zu einem zusammenhängenden Überzug vereinigt, der beim Erkalten ganz das Aussehen hat, als wäre er völlig flüssig gewesen.
Zur besseren Haftung wird das zu emaillierende Metall zuvor aufgerauht und chemisch präpariert. Als erste wird eine Schicht aufgetragen, die man als „Grundemail“ bezeichnet – sie verhindert das Oxydieren des Eisens im Schmelzofen. Es folgen zwei oder drei weitere Emailschichten, wobei das Objekt zwischendurch abgekühlt und mit neuem Emailpulver überzogen wird, welches zum „Deckemail“ wird.

Chirurgie


Oesophagus, Sonde n. SENGSTAKEN-BLAKEMORE

Oesophagus-Sonde, um 1950 

 

 

Patienten mit Leberzirrhose sind jahrelang internistische Patienten, wenden sich also auch im Notfall primär an ihren Internisten: so kommen sie auch bei massiven Blutungen aus Ösophagusvarizen (einer klassischen Folge der Leberzirrhose) in die Internistische Ambulanz, und die ersten Massnahmen müssen von Internisten vorgenommen werden.
Zur Erstversorgung einer Ösophagusvarizenblutung gehört das Auffüllen des Kreislaufes, gefolgt in aller Eile

 - einer Elektrokoagluation der Blutungsquelle. Bei Misslingen

- Tamonade der blutenden Varize mittels Ballonkatheter. Seit Jahren hat sich in der KLinik die Tampnade mit der sog. SENGSTAKEN-BLAKEMORE-Sonde bewährt.

 

Robert William SENGSTAKEN, amerikanischer Neurochirurg (*1923)
Arthur H. BLAKEMORE, amerikanischer Chirurg (1897–1970).

 

Die Sengstaken-Blakemore Sonde ist eine dreilumige Sonde, die zum Einsatz bei massivsten Blutungen von Ösophagusvarizen. Die Lumen sind zum einen für den Magen- und für den Ösophagusballon und zu anderen als Magensonde mit seitlichen Öffnungen im Magen. Die Länge für Erwachsene ist 100cm, das maximale Füllvolumen vom Magenballon beträgt 250ml und das vom Ösophagusballon 150ml.

- der kleine runde Ballon wird in den Magen vorgeschoben, gebläht und dann vorgezogen, bis er distal der Kardia anliegt. Dann wird der länglicheÖsophagusballon aufgebläht, der die Blutung komprimieren soll. Um eine Drucknekrose der Ösophagusschleimhaut zu verhindern, darf diese Sonde allerdings nur einige wenige Stunden unter maximalem Druck (35-45 mmHg) verbleiben, dann muss die Blutgerinnung korrigiert sein - die Sonde wird vorsichtig entblockt... Manche Autoren empfehlen gar, den Oesophagusballon gar nicht aufzublasen, um eine Ruptur der Speiseröhre zu verhindern. Man fülle also erst den Magenballon und ziehe ihn fest nach oben, sodass er den venösen Blutfluss vom Magen in den Ösophagus blockiere. Erst bei Versagen dieser Kompression ist die Ösophaguskompression indiziert.

Neuerdings wird die Sonde auch bei massiven geburtshilflichen Blutungen empfohlen:
M. Kastesmark, R. Brown, KS. Raju, Successful use of a Sengstaken-Blakemore tube to control massive postpartum haemorrhage. British Journal of Obstetrics and Gynaecology, March 1994, vol.101.pp259-260.
D. Frenzel, G.S. Condous, A.T. Papageorghiou, N.A. McWhinney, The use of the 'tamponade test' to stop massive obstetric haemorrhage in placenta accreta, BJOG: An International Journal of Obstetrics & Gynaecology, Volume 112 Issue 5 Page 676 - May 2005. doi:10.1111/j.1471-0528.2005.00491.x

 




Chirurgie


Oesophagus-Sonde (Teil 1)

um 1900

 

"Fremde Körper in der Speiseröhre bilden nicht selten Gelegenheit zu operativem Einschreiten. Man muß versuchen, diese mit geeigneten Instrumenten, "Münzenfänger" etc., herauszuholen, oder sie in den Magen hinabstoßen. Nur in verzweifelten Fällen schreitet man zur Eröffnung der Speiseröhre durch den Speiseröhrenschnitt (griech. Ösophagotomie), indem man von außen durch die Haut und Muskeln des Halses die Speiseröhre eröffnet. Diese Operation ist schwierig und nicht gefahrlos; sie wird auch ausgeführt, wenn nach Schwefelsäure- oder Laugevergiftungen oder im Gefolge krebsiger Zerstörungen solche Verengerungen der Speiseröhre entstanden sind, daß nicht einmal flüssige Nahrung in den Magen gelangt und der Tod durch Verhungern droht" (Meyers Konversationslexikon, 4. Aufl. 1892).

 

TROUSSEAU gab ein Set von Erweiterungsoliven an, mit denen man Verengungen der Speiseröhre kurieren konnte. Interessant ist neben den Elfenbeinoliven der Münzenfänger "crochet à bascule de GRAEFE", eine Art kleiner Fallschirm, mit dem verschluckte Münzen hochgezogen werden konnten...
Es fehlt der Schwamm resp. das 6. "Ei".

 

"Ulflingen, 28. Sept. (Gerettet.) Das 5jährige Söhnchen eines hier stationirten Stationsassistenten spielte letzthin mit einem Geldstück. Nach Gewohnheit der Kinder nahm der Kleine die Münze in den Mund; plötzlich geriet dieselbe durch Schlucken in die Speiseröhre, wo sie während neun Tagen sitzen blieb, so daß das Kind während dieser Zeit keine feste Nahrung zu sich nehmen konnte und große Schmerzen zu leiden hatte, bis es der ärztlichen Kunst und geschickten Behandlung des Hrn. Dr. Delvaux aus Luxemburg gelang, das Geldstück herauszunehmen. Der Kleine ist jetzt wieder froh und munter" (Bürger- und Beamtenzeitung vom 1.10.1903).

 

Abbildungen des Münzenfängers finden sich S. 212/213 in dem um 1910 editierten (1987 wiederaufgelegten) Katalog der "Medicinisches Waarenhaus Actiongesellschaft Berlin".

Armand TROUSSEAU (1801-1867) galt seinerzeit als der grösste Kliniker Frankreichs. In Paris führte er die erste Tracheotomie durch wegen Krupp. Selber an Asthma leidend, entwickelte er 1844 Zigaretten, deren Wirkstoffe die Anfälle kupierten - die Methode wurde bis 1995 praktiziert.

Chirurgie


Oesophagus Sonde (Teil 2)

Sonde aus der "Metzer Kiste" 

 

 

Ösophagussonde n. TROUSSEAU aus der sog. "Metzer Wunderkiste":
lange flexible Metallsonde, an der Spitze eine aufschraubbare Olive aus Elfenbein, mit der Engpässe in der Speiseröhre (Verlegung durch einen Tumor, Obstruktion infolge von Narben) bougiert wurden.

 

Armand TROUSSEAU (1801-1861) studierte in Tours, wo er Schüler von BRETONNEAU war. "Agrégé de la Faculté de Médecine de Paris" im Jahr 1827, "Médecin des Hôpitaux" im Jahr 1830, wurde er zunächst Assistent von RECAMIER (siehe Speculum)bevor er 1852 den Lehrstuhl für "Clinique Médicale" am Hôtel-Dieu bekam.

 - 1834 konnte er nachweisen, dass Placebotabletten (Stärkemehl) den gleichen therapeutischen Effekt hatten wie hömöopathische Mittelchen...

- 1837 führte er die erste Tracheotomie durch.

- 1843 führte er eine erste Thoracozentese durch,

- 1864 prägte er den Begriff "Aphasie".

 

Ein Square im Faubourg Saint Antoine in Paris trägt seinen Namen. Er erinnert an das 1674 an dieser Stelle eingerichtete Heim für Findelkinder, das 1838 Hôpital Sainte-Marguerite" und 1854 Kinderklinik wurde unter der Bezeichnung "Hôpital Sainte Eugénie". 1902 fiel das vetuste Gemäuser der Pike zum Opfer. Ab 1880 hatte es den Namen von TROUSSEAU getragen.
Quelle:
www.aphp.fr/site/histoire/1901_hopitaux_pediatriques.htm

 

Zwei Spitäler sind nach ihm benannt

  • CHU TROUSSEAU in seiner Geburtsstadt Tours (i.d. Gemeinde Saint Avertin, département Indre-et-Loire),
  • Hôpital TROUSSEAU in Paris XIIe arrondissement; 26, avenue du Docteur Arnold-Netter.
 

Chirurgie


OP-Handschuhkasten

Sichtkasten, um 1920 

 

 

Zu den heute selbstverständlichen aseptischen Massnahmen beim Umgang mit Patienten gehört das Tagen steriler Handschuhe.
Der grosse amerikanische Chirurg William Stewart HALSTED (1852-1922) führte die Methode 1889 in Baltimore im neu eröffneten John Hopkins' Hospital ein, als seine Verlobte, die OP-Schwester war, eine Überempfindlichkeit entwickelte gegen Phenol, das damals gängige Händedesinfektionsmittel. (Halsted und Caroline Hampton (1861-1922) heirateten im Übrigen im Juni 1890). Übernommen hatte HALSTED die Idee vermutlich von den Pathologen des Hauses:

"Halsted did not invent rubber gloves. Actually, 132 years previously in 1767, obstetric gloves made from sheep intestines were used for vaginal exams and deliveries by a German physician, J.J. Walbaum. Also, in the 1840s, gloves were used for postmortem exams, and Dr. William WELCH at Hopkins may have used gloves for autopsies" (S. Robert Lathan, Rubber gloves redux, in: Proc (Bayl Univ Med Cent). 2011 Oct; 24(4): 324).

 

Die Gummihandschuhe stammten also aus "good old Europe" und waren erstmals von dem Arzt und Tierpräparator Johann Julius WALBAUM (1724-1799) aus Wolfenbüttel getragen worden. In Baltimore waren sie anfänglich ein rein privates Ereignis. Zum öffentlichen Thema wurden sie erst 1896, als sie der 1892 als Assistent von HALSTED am John Hopkins Hospital in Baltimore eingestellte Chirurg Joseph Colt BLOODGOOD (1867-1935) erst für das gesamte Chirurgenteam, dann für alle Chirurgen der USA einforderte.

 

Zum Exponat

Vorgestellt wird ein Kunststoff-Kasten zum Aufbewahren von Kautschukhandschuhen aus dem Besitz des Arztes Paul HETTO, der sich 1923 in Diekirch niederliess. Um die Sterilität herzustellen und aufrechtzuhalten ist sowohl im Sockel als auch im (identischen) Deckel ein (schwarzes) DESNOS-Behältnis eingearbeitet, welches an den von Urologen benutzten Stöpsel erinnert, mit dem Katheterbehälter verschlossen wurden (siehe im Kapitel Urologie).

 

C'est en 1889 au nouvellement crée Johns Hopkins Hospital que William HALSTED opérait selon les principes de Pasteur: désinfection de la peau des malades et des opérateurs avec de l'acide phénique ainsi qu'une nébulisation du même acide sur le champ opératoire via l'appareil inventé par Lister en 1864. Ainsi, grâce aux techniques de Pasteur et Lister reprises par Halsted, le taux de mortalité des personnes opérées est tombé de 50% à 10% ! Malheureusement pour Halsted, le revers de la médaille était que l'infirmière chef du bloc opératoire, Caroline HAMPTON, ne supportait que très mal les multiples nettoyages de ses mains à l'acide phénique. Par amour pour elle, Halsted refusa de la laisser partir et alla voir Charles Goodyear dont la renommée était récente - suite à sa découverte du latex entourant les roues des carrioles, pour lui demander de fabriquer des gants aussi fins que possible afin de protéger les mains de son aimée. Et sans penser une seule seconde que cela pouvait être également utile aux chirurgiens, car ce n'est qu'en 1896, que le Dr Joseph BLOODGOOD proposa les gants de chirurgie comme moyen antiseptique...

Chirurgie


Präparierbesteck (1)

WICKERT

Präparierkasten von WICKERT, in der Hand die beiden Tubuli

 

 

Die Universität Tübingen schrieb ab 1875 verbindlich einen Präparier-kurs vor.

"Se. Majestät der König haben unterm 27. März d.J. dem Instrumentenmacher Joseph Wickert in München den nachgesuchten Titel eines Universitäts-Instrumentenmachers allergnädigst zu verleihen geruht" (Regierungsblatt für das Königreich Bayern 1827 S.256).

 

 

 Zum Hersteller

"Der Unterzeichnete gibt sich hiemit die Ehre anzuzeigen, daß er seine bisherige Wohnung in der Sonnenstraße verlassen und sein neues Quartier in der Kanal-Glockenstraße, H.V. Haus-Nro 1284 Lit.B., bezogen habe. Bey dieser Gelegenheit empfielt sich derselbe zu gefälligen Aufträgen in allen Gattungen chirurgischer Instrumente sowohl, als in Bandagen und Maschinen, auch zu anderartigen mechanischen Arbeiten. Da bey ihm auch Rasiermesser von bester Qualität, so wie, auf Bestellung, alle Gattungen Tafel- und Dessertmesser verfertigt werden, so schmeichelt er sich eines gefälligen Zuspruchs, und versichert prompte Bedienung und die billigsten Preise. München, den 10. May 1829 Joseph Wickert, Fabrikant chirurgischer instrumente an der k. Ludwig-Max.-Universität zu München" (Der Bayerische Landbote vom 16.5.1829 S.497).

 

"München. Der königl. Universitäts-Instrumentenfabrikant Wickert dahier hat nach den Angaben des königl. Hof- und Stabsarztes Dr. Wenzel das Civiale'sche Instrument zur Zerbröckelung der Harnblasensteine auf eine Weise verfertigt und vereinfacht, die es zum allgemeinsten Gebrauche für diese wichtige Operation eignet. Herr Wickert ist deshalb in Uebereinstimmung mit dem königl. Hof- und Stabsarzte Dr. Wenzel um ein allergnädigstes Brevet bey der königl. Regierung eingekommen. Die Vorzüge dieses Instrumentes vor dem Civiale'schen sind: 1) sehr leichte Einführung, ohne Vorbereitung, und 2) ganz gefahrlose Handhabung in der Harnblase; 3 ) Möglichkeit des gleichzeitigen Beginnens der Operation, ohne Herausnahme des Instrumentes, bey der ersten Untersuchung nach entdecktem Blasensteine; 4) Möglichkeit von Injektionen in die Harnblase ohne Herausnahme des Instruments; 5) um die Hälfte vereinfachter Apparat bey 6) verhältnißmäßig geringen Kosten von 4 bis 5 Louis d'or, während das Civiale'sche Instrument in Paris 1000 bis 1200 Fr., in Deutschland 25 bis 30 Louis d'or kostet" (Beylage zur Allgemeinen deutschen Zeitung für Rußland vom 5.1.1829).

 

Offenbar hatte WICKERT auch ein Osteotom entwickelt, das später abgeändert wurde: "Carl Nood, Veränderungen am Osteotom von Herrn Wickert, Universitäts-Instrumentenmacher in München, München 1836".

 

1840 stellte er in Nürnberg aus und wurde mit Lob überschüttet "In der Güte des Materials sowie in der Sorgfältigkeit der Arbeit, besonders was Schliff und Politur betrifft, zeichnen sich WINKLER in München und HAMMON in Nürnberg aus". Noch 1845 war Wickert Mitglied des Polytechnischen Vereins Bayerns (Kunst- und Gewerbeblatt des Polytechnischen Vereins für das Königreich Bayern, München 1845). Als die Geschäfte gut liefen, expandierte er: "Wickert Joseph, Universitäts-Instrumentenmacher, hat ebenfalls einen großen Verlag in der Kaufingerstr.3" (Universal-Handbuch von München 1845 S.308).

 

 

Ähnliche Bestecke

"In einem vollständigen anatomischen Besteck erwartet man 1 Knorpelmesser, 4-6 ein- und zweischneidige Secirmesser von verschiedener Größe, eine oder ein Paar Scheren, eine Pincette, eine Knochensäge, einen Tubulus, einen Haken, mehrere Sonden, Heftnadeln u.s.w." (Johann Friedrich Pierer, Anatomische-physiologisches Realwörterbuch, Leipzig 1816 S. 239).

 

Im Katalog des Medicinischen Waarenhauses A.-G. Berlin, der um 1910 gedruckt wurde, finden wir S. 314 ein "Anatomisches Besteck, Modell Kaiser-Wilhelm-Akademie, enthaltend: 1 Inzisionsschere, 1 Knorpelmessser mit Schaber, 1 Nervenmesseer, 2 große Skalpelle, 2 mittlere Skalpelle, 2 Pinzetten, 1 doppelten Tubulus, 3 Sonden, 1 Kletterhaken, 3 Nadeln, 2 Meißel". Uns interessiert vor allem der "doppelte Tubulus", der auch in unserm WICKERT-Besteck vorkommt. Wozu diente er? In dem Werk "Der Conservator" von August Vollrath Streubel (Berlin 1845) finden wir in dem Absatz über anatomische Bestecke die Angabe: "einen Tubulus mit einem Hahne zum Aufblasen von Höhlen und Kanälen".

 

In dem (aktuellen!) Katalog der Fa. Fred Mattes finden wir nicht nur "tubuli" im Angebot, sondern auch die passende englische Übersetzung: "blow pipes" ...

 

 

Exponat

Besteckkasten von Joseph Wickert, erworben als "Chirurgisches Besteck" auf dem Flohmarkt von Völs 4/2017.

 

Chirurgie


Präparierbesteck (2)

 

 

Für den Studienanfänger stellen die beissenden Formol-Gerüche im Praepariersaal eine erste Hürde dar - da tränen die Augen und revoltiert der Magen. Doch gehören konkrete anatomische Erfahrungen zum Grundwissen der Chirurgie, und, wie sagte schon der grosse Anatom Friedrich TIEDEMANN (1781-1861):
"Ärzte ohne Anatomie gleichen den Maulwürfen. Sie arbeiten im Dunkeln und ihrer Hände Tagewerk sind Erdhügel".

 

Exponat

Der hier vorgestellte Kasten stammt aus meiner Freiburger Studentenzeit - eine Erinnerung an die Anatomie-Kurse unter Prof. Eugen FISCHER (1874-1967) und Prof. Ludwig KELLER (1910-1977). Beide untersagten den Gebrauch von Kettenhaken, mit denen an vielen Universitäten die Gewebe an der Leiche auseinander gehalten werden. Sie erachteten die Verletzungsgefahr zu Recht als zu gross und wollten die Kettenhaken nicht in ihrem Saal sehen: die Angst vor dem "Leichengift" ging um. In der Tat hat sich so mancher Student eine gefährliche Finger/Hand- verletzung, schlimmstenfalls eine tödlich endende Verletzung beim Präparieren von Leichen zugezogen.


Die Leichenteile getöteter oder verstorbener Tiere können Leichengift enthalten, Eiweißzerfalls- produkte wie Cadaverin und Putrescin. Bei der Zersetzung von tierischem Eiweiß ist meist auch das Bakterium Clostridium botulinum beteiligt. Diese Bakterien vermehren sich besonders gut auf Fleisch und Fisch und produzieren das Gift "Botulinum Toxin", welches oral zugeführt (also beim Essen) in winzigsten Mengen tödlich wirkt - nämlich bei 0,001 mg. Botulinum Toxin ist ein Synapsengift, welches die Ausschüttung von Botenstoffen (Azetylcholin) an der Muskulatur verhindert. Der Tod tritt durch eine Atemlähmung ein, d.h. das Zwerchfell ist nicht mehr steuerbar durch unser Gehirn. Das Leichengift gilt übrigens bei der Herstellung von biologischen Waffen als Möglichkeit z.B. Trinkwasser zu vergiften.


Leichengift (auch Ptomain, Leichenbase oder Leichenalkaloid genannt) ist eine (meist irreführende) Bezeichnung für die bei der Eiweißfäulnis durch bakterielle Zersetzung von Lysin und Ornithin entstehenden biogenen Amine Cadaverin und Putrescin, die ein Grund für den Verwesungsgeruch von Leichen sind. Daneben spielen auch Schwefelverbindungen wie Schwefelwasserstoff eine Rolle, die zwar an sich giftig sind, aber nicht in hoher Konzentration vorliegen. Obwohl in kriegerischen Auseinandersetzungen auch Leichen zum Vergiften von Brunnen und Gewässern verwendet wurden, gibt es die Substanz "Leichengift" nicht. Je nach Todesursache und Verwesungsgrad der Leiche ist ein bestimmter Krankheitserreger (beispielsweise Pestbazillen) oder ein Bakterientoxin für die krank machende Wirkung verantwortlich. Im Umgang mit Leichen z. B. in Bestattungsunternehmen gilt, dass eine schädliche Wirkung infolge Hautkontakt oder Einatmung von "Leichengift" ausgeschlossen ist. Bei oraler Aufnahme oder Übertragung durch Injektion oder Schnittverletzungen (Traumata) sind aber sehr wohl Erkrankungen möglich:

- durch Bakterientoxine (z. B. Botulinustoxin, Tetanustoxin),

- durch Spaltprodukte infolge Eiweißfäulnis.

Die Unfälle in Präpariersälen sind also nie auf Leichengift zurückzuführen. Allenfalls werden sie durch besonders virulente Bakterien hervorgerufen, die trotz Formoldurchtränkung der Leiche überlebten resp. die Leiche nach dem Tode der Person besiedelten ...

 

Nota: die Haken im Vordergrund des Bildes stammen aus dem Nachlass des ab 1945 in der Hauptstadt niedergelassenen Arztes Roger SEILER (1911-1975).

 

 

Chirurgie


Press-Schwämme

Pressschwämme 2
 

 

In Apotheken konnte man mit geschmolzenem Wachs getränkte und gepreßte Schwammschnitte unter dem Namen Pressschwamm resp. Wachsschwämme (Spongia cerata) kaufen – schon die königlich Preußische Medicinalverfassung von 1818 kannte den Wachsschwamm. Heute ist der Handel mit diesen Schwämmen [Spongia officinalis adriatica (Schmidt, 1862); Spongia officinalis officinalis (Linnaeus, 1759)] reguliert.

 

Herstellung

Den Wachsschwamm (Spongia cerata) bereitete man, indem man gereinigte und trockene Schwammstücke in geschmolzenes Wachs tauchte und zwischen etwas befeuchteten Brettchen schwach presste. Press- oder Quellschwämme (Spongiae compressae) stellt man her, indem man feine, gereinigte feuchte Schwammstücke durch scharfes Umwickeln mit Bindfaden zusammenpresst oder sie feucht in Glasröhrchen hineinschiebt und sie hier trocknen lässt. "Die spongia compressa seu praeparata wird dargestellt, indem man von gereinigtem Meerschwamm längliche Stücke schneidet, sie mit heißem Wasser befeuchtet und mit einem dünnen Bindfaden von einem Ende zum andern ganz fest umwickelt. Man befeuchtet auch wohl den Schwamm vor der Einwicklung mit einer Auflösung von arabischem Gummi oder Eiweiß, damit die Poren zusammenkleben. Erst dann, wenn dieser präparirte Schwamm angewendet werden soll, wird der Bindfaden abgewickelt" (Ernst Blasius, Handwörterbuch der gesammten Chirurgie und Augenheilkunde: zum Gebrauch für angehende Ärzte und Wundärzte, Berlin 1838 S.398). "Pressschwamm. Man formt angefeuchtete, fingerlange und ca. 3 cm breite Stücke gereinigter Schwämme mittelst kräftiger Umschnürung mit Bindfaden in Stengel von der Dicke einer Bleifeder. In dieser Umhüllung werden sie getrocknet und aufbewahrt. Sie dienen, nach Entfernung der Schnur, zur Erweiterung von Wundkanälen" (Gustav Adolf Buchheister, Verlag von Julius Springer, Berlin, 3. Auflage, 1893 S. 343).

 

Anwendung

Zur Erweiterung von Wundkanälen benutzte man früher Laminaria-Stiele, Tupelo-Holz oder Enzian-Wurzel. Besonders häufig benutzte man zusammengepresste Schwämme. "Sie dienen, nach Entfernung der Schnur, zur Erweiterung von Wundkanälen" (Gustav Adolf Buchheister, Verlag von Julius Springer, Berlin, 3. Auflage, 1893 S. 343). Daneben gab es unkonventionelle Anwendungen:

- der österreichische "akademische Regimentsarzt" Johann-Georg Schwarzott benutze sie 1820, um eine unstillbare Blutung im Bereiche eines Unterschekels zu komprimieren – die Blutung stand binnen 2 Minuten. Am 3. Tage wurde der Schwamm entfernt, ohne daß eine Blutung aufgetreten wäre (Medicinisch-chirurgische Zeitung, Salzburg 1820 S. 46).

- durch Einführen eines Pressschwammes in den Muttermund führte Kluge (L. Mende, Beobachtungen und Bemerkungen Bd. 3 1826 S. 26-50) Frühgeburten herbei (Adolph Carl Peter Calisien, Medicinisches Schriftstellerlexikon S. 217). Um 1900 kamen die Pressschwämme nur noch selten zur Anwendung (Gustav Adolf Buchheister, Verlag von Julius Springer, Berlin, 3. Auflage, 1893 S. 343).

 

Geschenk von Mag.Dr. Andreas Winkler - mein Dank!

Chirurgie


Pulverbläser n. GERSUNY

Pulverblaser n. GERSUNY
 

 

Robert GERSUNY (1844-1924) war ein österreichischer Chirurg. Er gilt als der Erfinder der Paraffineinspritzungen, mit welchen er „subkutane Prothesen“ erzeugte, die in Verlust geratene Gewebsbestandteile ersetzten. Zu diesem Zweck spritzte er einen vielfach zu Salben verwendeten Stoff, das Vaseline, unter die Haut und beobachtete, dass die eingespritzte Masse, wenn man sie einige Zeit unberührt ließ, reizlos an Ort und Stelle blieb, ohne vom Körper in erheblicher Weise aufgesaugt zu werden. Die Tatsache, dass an der äußeren Haut kaum Spuren zurückblieben, veranlassten ihn, die Methode bei einer ganzen Reihe von verschiedenen Erkrankungsformen anzuwenden, bei denen es sich meistens darum handelte, den Verlust von Gewebsbestandteilen zu verdecken. Dies war jedoch ein folgenschwerer Fehler, denn in den nächsten Jahrzehnten stellte es sich heraus, dass die Injektion von Paraffinen in sehr vielen Fällen zu Lipogranulomen führen kann.

 

 

"Pulverförmige Mittel werden am zweckmässigsten mit einem Pulverbläser in das Ohr hineingeblasen. Unter den hiezu verwendbaren Instrumenten scheint mir der nachfolgend abgebildete Pulverbläser (Fig. 30) am handlichsten zu sein, der nach dem von Mosetig und Wölfler angegebenen Pulverbläser von Gersuny modificirt wurde. Zum Zwecke der Ohrenbehandlung liess ich den Pulverbläser so richten, dass dessen Handhabung bei rechtwinkelig vom Pulverraume abstehender Rohre möglich ist" (Victor Urbantschitsch, Lehrbuch der Ohrenheilkunde, Verlag Urban & Schwarzenberg, Berlin, Wien 1901).

 

 

Exponat

Pulverbläser n. GERSUNY mit bajonettartiger Kanüle, aus dem Fundus eines Haller Allgemeinpraktikers (Flohmarkt Hafen in Innsbruck, 9/2018). Auf dem Glaszylinder klebt ein Etikett mit dem handschriftlichen Text "Dermatol". Der Gummiballon fehlte beim Kauf und wurde für die Aufnahme mittels eines kleinen Plastikballs nachgeformt.

 

Abbildungen im

- Katalog der "Österreichisch-Englischen Gummiwaren-Fabriksniederlage Gustav Berger, Wien IX, Kolingasse 4 (1909, S.2, Fig.8).

- Waldek & Wagner. Preisbuch über chirurgische und medizinische Instrumente und Behelfe, Bandagen, orthopädische Maschinen und künstliche Extremitäten, Verbandstoffe, Apparate zur Pflege und Erleichterung für Kranke. (1905 S.93, Fig.1483).

 

 

 

Zum Dermatol

"Ein neues Wundheilmittel, welches das Jodoform ersetzen soll, ist von zwei Breslauer Forschern, den Herren Dr. Liebrecht und Heinz vor Kurzem entdeckt worden. Es ist das Dermatol, ein wismuthhaltiger Körper, welcher, wie das Jodoform, in Form eines feinen gelben Pulvers dargestellt wird. Während aber das Jodoform bekanntlich einen für die meisten Leute ganz unerträglichen penetranten Geruch hat, der sich schon auf weite Entfernungen hin bemerkbar macht, ist das Dermatol völlig geruchlos. Außerdem ist es, ebenfalls im Gegensatz zu seinem Vorgänger, durchaus ungiftig; dabei wirkt es stark antiseptisch (fäulnißwidrig), stellt also ein ganz vorzügliches Wundheilmittel dar, und ist wegen seiner gleichzeitigen austrocknenden Wirkung auch in allen den Fällen, wo es sich um nässende Ausschläge, Brandwunden, Geschwürflächen und dergleichen handelt, mit bestem Erfolge zu verwenden. Der bekannte Breslauer Frauenarzt Professor Fritsch hat mit dem Dermatol bei frischen wie bei älteren Wunden bereits ausgezeichnete Resultate erzielt" (Marburger Zeitung, 12. Juli 1891).

 

"Das Dermatol ist ein saffrangelbes, geruchloses, so gut wie geschmackloses, spec. schweres, feuchtes, blaues Lackmuspapier schwach röthendes Pulver. Es ist unlöslich in Wasser, Weingeist und Aether, desgleichen in verdünnten Säuren. Concentrirte Salzsäure verändert es rasch in Wismuthchlorid, verdünnte Schwefelsäure löst es beim Erwärmen auf. Salpetersäure wirkt in der Kälte nur wenig ein, in der Wärme erfolgt Lösung der Verbindung unter lebhafter Entwickelung von Stickstoffoxyden. Ammoniak wirkt in der Kälte sehr wenig ein. Natronlauge löst das Dermatol mit Leichtigkeit und ohne Abscheidung von Wismuthhydroxyd auf, die ursprüngliche gelbe Lösung wird durch Aufnahme von Sauerstoff aus der Luft sehr bald roth. Durch Schwefelwasserstoff, ebenso durch Schwefelammonium wird das Salz unter Abscheidung von Wismuthsulfid zersetzt. Es wird weder durch Luft noch durch Licht, noch auch durch eine Temperatur von 100° zersetzt, auch ist es nicht hygroskopisch. Die Prüfung hat nachfolgende Verunreinigungen zu berücksichtigen: 1. Freie Gallussäure: 1 gr des Präparates darf beim Extrahiren mit Alkohol oder Aether keine Gallussäure an diese abgeben; 2. 0,5 gr lösen sich in 5 ccm Natronlauge klar auf; andere Wismuthsalze würden Fällung von Wismuthhydroxyd geben. 3. 1 gr wird im Porzellantiegel geglüht, der Rückstand in verdünnter Schwefelsäure gelöst und im Marsh’schen Apparat auf Arsen geprüft. 4. Man löse ein Körnchen Diphenylamin in 5 ccm concentrirter Schwefelsäure, andererseits 0,5 gr Dermatol in 3 ccm verdünnter Schwefelsäure; die letztere Lösung füge man vorsichtig der ersteren zu; es darf keine sofortige Blaufärbung erfolgen, anderenfalls enthält das Dermatol Salpetersäure (in Form von basischem Wismuthnitrat). Zur Bestimmung des Wismuthoxydgehaltes, welcher theorethisch 56,66 Prozent Bi2O2 (- 50,84 Prozent Bi) betragen soll, glüht man 0,5 gr des Präparates in einem Porzellantiegel, löst den Rückstand in concentrirter Salpetersäure, dampft zur Trockene ein und glüht bis zum constanten Gewicht.. Es müssen mindestens 0,276 gr Bi2O2 (- 55 Prozent) hinterbleiben" (Drogistenzeitung, 20. Juli 1891).

 

"Dermatol hat sich im Gegensatz zu so vielen anderen neuen Mitteln rasch einen dauernden Platz in der ärztlichen Praxis erworben. Ungefähr 40 wissenschaftliche Arbeiten betonen in gleichmäßiger Weise die Vorzüge des Dermatols als ungiftigen, geruch- und reizlosen, äußerst handlichen, austrocknenden Mittels. Es eignet sich hiernach einmal als Wundheilmittel, dann als Streupulver für die verschiedenen nässenden Hautaffektionen. Das Dermatol kann wegen seiner allseitig anerkannten Ungiftigkeit dem Publikum ohne Gefahr als Hausmittel in die Hand gegeben werden. Um ein billiges Präparat zu liefern, bringen die Farbwerke vorm. Meister Lucius u. Brüning, Höchst a.M., ein "Dermatolstreupulver" in den Handel, welches 20 Perzent Dermatol enthält. Eignet sich das reine Dermatol mehr für frische Wunden, für Schnitt-, Quetsch-, und Brandwunden u.s.w., so leistet das "Dermatolstreupulver" ganz dieselben Dienste bei Hautabschürfungen, nässenden Stellen, Wundsein der Frauen und Kinder, Wolf, Fußschweiß u.s.w. Alle diese so zahlreichen kleinen Leiden bringt das Dermatol vermöge seiner eminent austrocknenden Wirkung in kürzester Zeit zur Heilung. Aus all diesen Gründen eignet sich Dermantol-streupulver in hervorragender Weise als ein werthvolles Hausmittel. Es ist in allen Apotheken und Droguerien erhältlich" (Bregenzer/Vorarlberger Tagblatt, 28. März 1893).

 

Chirurgie


Rasiermesser

 

 

Das Rasiermesser bewegt sich an der Grenze zwischen Rasur und Chirurgie. Im Impfset von Dr. DELVAUX sind mehrere Rasiermesser enthalten, mit denen die Haut enthaart wurde, bevor sie eingeschnitten wurde...

 

1550 v. Chr. kamen Rasiermesser mit beweglichem Griff auf, wobei man den Griff vermutlich auch als Lockenwickler benutzte.

 

Ganz selbstverständlich wurde im 17. Jahrhundert die Haut mittels Rasiermesser inzidiert. Hier ein Auszug aus einem Bericht von 1665:
"Dann nahm er ein scharfes Rasiermesser zur Hand, setzte sich am Kopfende der Bahre dicht neben den Verwundeten nieder und schlitzte diesem die Kopfhaut an der Stirne von einem Ohr bis zum anderen hinüber auf. Danach hob er die Haut in der Nähe des rechten Ohres ein wenig ab, sodaß dort die Hirnschale in ihrer blendenden Weiße sichtbar wurde" (zit: www.museumonline.at/1999/schools/classic/istanbul/meister.htm).

 

W.D. Bräutigam verfaßte (in zweiter Auflage im Jahre 1850 in Weimar veröffentlicht) ein „Practisches Hand- und Hülfsbüchlein der niederen Chirurgie für Lehrlinge und Gehülfen“, ein Handbuch, welches vom praktischen Arzt und Wundarzt Franz Wilhelm Otto Händel bearbeitet worden war. Von den 231 Seiten des Buches befassen sich nicht weniger als 31 Seiten mit dem Gebrauch und der sachgemäßen Behandlung, insbesondere dem Schärfen (Abziehen) von Rasiermessern - ein Beweis für die Bedeutung des Rasiermessers in der täglichen Praxis der Chirurgen in der Mitte des 19. Jahrhunderts.

 

Das vorgestellte Messer stammt aus der Fabrikation des "Coutellier" François COGNIOUL in Luxemburg (Stempel auf der Klinge). 1849 war er naturalisiert worden (Memorial n°64 vom 30.6.1849). Im Sommer 1910 übernahm seine Witwe den Laden:
« 1027° — Veuve François Cognioul, Luxembourg. — Coutellerie. — Exploitante : Suzanne Théato, veuve François Cognioul, Luxembourg — Du 22 juillet 1910 » Memorial n°49 vom 8.9.1910, Handelsermächtigungen).

Chirurgie


Redon-Flasche

Redon Flasche
 

 

In den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts wurde das Hochvakuum-Saugsystem durch Redonflaschen perfektioniert. Unter dem Begriff Redon-Drainage ist sie fest in den heutigen Klinikalltag integriert. Zwei Gummifinger im Gummistöpsel zeigen dieStärke des Unterdruckes an.

 

Benannt sind die Flaschen nach dem französischen Kieferchirurgen Henri Redon (1899-1974).

 

Die evakuierbaren Glasflaschen wurden 1971 durch weniger zerbrechliche Einweg-Kunststoffflaschen ersetzt.